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Animationsfilme

über Flucht und Verfolgung vom Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart

„Wie viele Zeichnungen braucht man, um eine Sekunde eines Animationsfilms zu füllen?“, fragt die Kursleiterin. Die Jugendlichen versuchen zu schätzen. Tatsächlich sind ca. 25 Bilder pro Sekunde nötig, um flüssige Bewegungen imitieren zu können. Die Erstellung eines Animationsfilms erfordert neben Kreativität auch viel Geduld, Präzision und Planung.

Der Animationskurs startet jeweils im September des Jahres. Unter Anleitung von professionellen Medienschaffenden entwickeln die Jugendlichen ein Schuljahr lang gemeinsam einen bewegenden Animationsfilm über eine ausgewählte Zeitzeug:innenbiografie.

Das Animationsprojekt wurde vom Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. in Kooperation mit dem Flüchtlingszentrum „Fliehkraft“ und der Gesamtschule IGIS durchgeführt.

Gefördert von: Aktion Mensch e.V., Rhein Energie Stiftung Jugend | Beruf Wissenschaft, LAG NRW.

Animationsfilme von Jugendlichen

Erinnerungen lebendig gemacht

DIE WUNDERBARE RETTUNG. Die Geschichte von Tamar Dreifuß

Tamar Dreifuss erlebte den Überfall der Wehrmacht auf Litauen, überlebte das Getto von Wilna und das Lager Tauroggen. Auf der Flucht, in den Lagern und in Verstecken wurde sie Zeugin von Massenerschießungen, Verschleppungen und Deportationen sowie der kompletten Zerstörung und Vernichtung der großen jüdischen Gemeinde von Wilna. Ihr Vater und ihre Großmutter fielen den Morden der Nazis zum Opfer. Nachdem ihre Mutter mit ihr aus dem Durchgangslager fliehen konnte, überlebten die beiden in zahlreichen Verstecken, immer in Angst, verschleppt zu werden. Nach dem Krieg lebte Tamar zuerst in Israel und anschließend wieder in Deutschland. Ihre Erinnerungen verarbeitete sie in einem Kinderbuch, welches 2010 erschien.

MARINA. DER KRIEG WAR FÜR MICH NIE ZU ENDE

Marina Saksaganska erlebte den Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion und die darauffolgende Gewalt, Verschleppung und Ermordung unzähliger Menschen. Als Jüdin war sie täglich der unbeschreiblichen Angst vor Verrat ausgesetzt und harrte mit ihrer Schwester oft tagelang ohne Essen in Verstecken aus. Ihre Mutter wurde bereits früh, beim Versuch Essen zu besorgen, gefangen und ermordet. Nur durch viel Glück und die Hilfe von Menschen, die ihr Schutz boten, konnte sie überleben und sich schließlich, nach der Befreiung durch die Rote Armee, nach dem Krieg ein neues Leben aufbauen.

RICHARD REINISCH, MEINE FLUCHTGESCHICHTE

Richard Reinisch kann auf eine Kindheit zurückblicken, die geprägt ist von Flucht, Gewalt und Schmerz. Der Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen und anschließend die Sowjetunion zwangen den jungen Richard zu einer nicht enden wollenden Flucht durch Polen, die Sowjetunion und zuletzt bis nach Budapest. Sein Vater wurde von der Gestapo ermordet, seine Mutter traf er nach dem Krieg in Israel wieder. Nur durch viele Zufälle, Hilfe und unbeschreibliches Glück überlebte er, kehrte später nach Deutschland zurück und kann heute seine Lebensgeschichte erzählen.

Mit der Produktion von Animationsfilmen setzt der Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. verstärkt auf ein junges Publikum. Besonders richtet sich der Kurs an Menschen mit eigener Migrations- oder Fluchterfahrung. Vor dem Hintergrund eines vertieften Blicks auf die Geschichte und des persönlichen Austauschs mit den Zeitzeug:innen wird die Brücke zur Gegenwart geschlagen. Im Projekt werden zentrale gesellschaftliche Fragestellungen aufgegriffen und die Teilnehmer:innen dazu motiviert, sich auch über den Kurs hinaus aktiv für demokratische Werte einzusetzen. Dadurch, dass persönliche Geschichten von Überlebenden der NS-Verfolgung im Mittelpunkt stehen, wird ein nachhaltiger Beitrag zur Prävention von Fremdenfeindlichkeit geleistet und Werte wie Toleranz, Empathie und Zivilcourage gestärkt. Die Projektergebnisse werden im Rahmen von öffentlichen Veranstaltungen präsentiert und im digitalen Raum frei zugänglich zur Verfügung gestellt, wodurch sie langfristig für die Nachwelt erhalten bleiben und einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur und gegen das Vergessen leisten.

Kölner StadtAnzeiger:

Holocaust-Überlebende im Trickfilm Zeitgemäßes Projekt gegen das Vergessen

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Das erinnerungskulturelle Projekt besteht aus zwei Projektphasen.

In der ersten Phase stehen die direkte Begegnung und der persönliche Austausch mit Überlebenden der nationalsozialistischen Verfolgung im Mittelpunkt. Diese intensiven Gespräche ermöglichen eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den historischen Erfahrungen und fördern zugleich einen reflektierten Umgang mit Erinnerung und Verantwortung. Im Projekt begegnen sich junge Menschen und Kölner Zeitzeug:innen, um sich mit Themen wie Diskriminierung, Antisemitismus und Rassismus auseinanderzusetzen und das Demokratieverständnis der Jugendlichen zu fördern.

So lernten die Projektteilnehmer:innen bereits die Zeitzeug:innen Dr. Richard Reinisch, Tamar Dreifuss, Marina Saksaganska und zuletzt Peter Finkelgruen kennen, der infolge der Flucht seiner Eltern nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Shanghaier Ghetto geboren wurde. Anhand der Lebensgeschichten werden Parallelen zu aktuellen Themen wie Flucht und Verfolgung deutlich.

Auf Grundlage der Biografien entstehen in der zweiten Projektphase Animationsfilme. Die Teilnehmer:innen werden selbst kreativ, lernen Methoden des modernen Storytellings kennen, erarbeiten Drehbücher, fertigen Zeichnungen an, drehen Videos an historischen Orten, sprechen Texte ein und erlernen neue technische Fähigkeiten wie das Einfangen statischer Bilder.