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Zeitzeug*innentheater

geht in die zweite Runde

Gedächtnisprotokolle der Sprachlosigkeit

Ein Zeitzeug*innentheaterprojekt

Was hat der Holocaust mit mir und meiner Familie zu tun? Welche Auswirkungen hat die Geschichte auf die Beziehungen innerhalb der Familie? Und welche Bedeutung hat die Geschichte für das eigene Leben?

Unser neues Projekt „Zeitzeug*innentheater“ befasst sich mit diesen Fragen – und suchen Antworten. Jugendliche, Überlebende des Holocausts sowie deren Nachkommen erarbeiten ein Theaterstück, in dem die Lebensgeschichten der Menschen und der Generationen, verwoben werden.

Vier Generationen erzählen für das „Zeitzeug*innentheater“ ihre Geschichten – die jungen Menschen versuchen zu verstehen und stellen den Zeitzeug*innen, sich selbst und den Publikum Fragen. Das Projekt findet in Kooperation mit dem Schauspiel Köln statt und wird dort am 8. Mai 2021 Premiere feiern.

Premiere!

8. Mai, 19:00 Uhr Schauspielhaus Köln

Möchten Sie mehr über das Projekt erfahren? Für Rückfragen zur Teilnahme an offenen Proben sowie zur Vermittlung von Interviews mit den Zeitzeug*innen und Projektteilnehmer*innen stehen wir gerne zur Verfügung.

Svetlana Fourer

E-Mail: fourer@nsberatung.de

Tel.: +49 (0)221 17 92 94 0

Svetlana Fourer

Projektleiterin

Die Protagonistinnen und Protagonisten:

Sharon Ryba-Kahn (38), dritte Generation

Sharons Großeltern haben die Schoah überlebt, einer ihrer Großväter war in Auschwitz. Die 38-Jährige ist in München aufgewachsen, später hat sie in Israel, Frankreich und in den USA gelebt. Die Geschichte ihrer Familie verarbeitet die Regisseurin dokumentarisch – zuletzt in dem Film „Displaced“, in dem sie mit ihrem Vater spricht, der bis dahin nie mit ihr über die Geschichte der Familie geredet hat. „Auf Deutschland habe ich immer noch eine große Wut“, sagt Sharon. „Ich versuche, diese Wut zu verstehen.“

Herbert Rubinstein (84), erste Generation

Herbert wuchs 1936 in Czernowitz auf. Die Schoah überlebte er auch, weil seine Familie gefälschte Pässe hatte. Herberts Großmutter wurde ermordet, auch sein Vater starb im Krieg. Nach dem Krieg flüchtete er mit seiner Mutter nach Amsterdam, die beiden fanden Zuflucht bei einem Auschwitz-Überlebenden, den seine Mutter später heiratete. 1956 siedelte die Familie nach Düsseldorf um. Herbert war lange Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf. Antisemitismus erlebt er bis heute. Herbert sagt: „Ich kann die Menschen nicht hassen. Auch nicht die Deutschen, von denen ich nicht wusste, ob sie früher Täter waren. Sie haben mir nichts getan. Ich habe hier viele Freunde gefunden – und dadurch Vertrauen.“.“

Grete Ionkis (83), erste Generation

Gretes Vater, gebürtiger Deutscher, kam Anfang der 1930er Jahre in die Sowjetunion, zwei Monate nach Gretes Geburt wurde er im Zuge des „Großen Terrors“ unter Josef Stalin verhaftet, der Spionage beschuldigt und nach Deutschland abgeschoben. Grete flüchtete mit ihrer Mutter und einer Großmutter nach Ksyl im heutigen Kasachstan – kurz vor dem Überfall der Deutschen auf die Sowjetunion. Antisemitismus erlebte Grete auch nach dem Krieg, zum Beispiel bei einer Kampagne gegen so genannte „wurzellose Kosmopoliten“ in Odessa, in dessen Folge ihre Familie die Stadt verlassen musste, oder bei Bewerbungen um Stellen als Hochschullehrerin. 1994 immigrierte Grete mit ihrem Mann nach Deutschland – um das Heimatland ihres unbekannten Vaters kennenzulernen.

Shulamit Baxpehler, zweite Generation

Shulamits Mutter und deren Familie wurden in das Konzentrationslager Sered‘ verschleppt, als die Mutter zwölf Jahre alt war. Von dort wurden die Juden nach Auschwitz deportiert – bevor das passierte, konnte die Familie von Shulamit fliehen. Die Eltern von Shulamits Mutter wurden verhaftete, die Mutter selbst und ihr Bruder konnten sich verstecken. Shulamits Großvater wurde in Auschwitz ermordet, die Großmutter überlebte das Lager in Birkenau. Ihr Onkel – der Bruder ihrer Mutter – erholte sich nie von den Traumata des Kriegs und muss in einer Psychiatrie leben. Shulamit lebt heute in Köln, verbringt aber einen Großteil des Jahres in Tel Aviv. Sie sagt: „Nur in Israel fühle ich mich wirklich sicher.“

In Kooperation mit dem Schauspielhaus Köln, IGIS –Schule Köln, Gesamtschule Bergheim.

Gefördert durch Aktion Mensch e.V. , LAG, Demokratie Leben.

Aktion Mensch e.V.